05.10.2026 22:33

"Help Mouse" bleibt bestehen

Burkhard Jocks und Bernhard Meyer von der Kolpingsfamilie

In Isselburg hilft "Help Mouse" Senioren bei digitalen Fragen. Das ehrenamtliche Angebot bleibt bestehen - trotz möglicher Auflösung der Kolpingsfamilie.

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Werner Blecking kommt am Donnerstagmorgen mit seinem Laptop ins Pfarrzentrum. Seit einiger Zeit kommt er nicht mehr in sein E-Mail-Konto, erzählt er, Nachrichten kann er keine mehr lesen. Burkhard Jocks, so seine Hoffnung, wird das wieder hinbekommen. Burkhard Jocks, Berater vom HelpMouse-Angebot, kennt solche Fälle. Er engagiert sich ehrenamtlich bei "Help Mouse", einer digitalen Sprechstunde für Senioren.

Angebunden ist das Angebot bisher an die Kolpingsfamilie Isselburg. Das Angebot soll aber bleiben, selbst wenn es die Kolpingsfamilie nicht mehr geben sollte. Der Verein hat für November eine Mitgliederversammlung einberufen, bei der sich die Kolpingsfamilie auflösen könnte, wenn sich kein neuer Vorstand findet. Sollte es zu einer Auflösung kommen, ändere sich bei der digitalen Sprechstunde nur der Name, sagt Burkhard Jocks: Aus der "Kolping Help Mouse" würde dann "Help Mouse". Die Räume im Pfarrzentrum könnten weiter genutzt werden, die Beratung bleibe kostenlos und ehrenamtlich. Der Kalender für 2027 steht bereits. "Wir machen weiter", betont Jocks.

Zunehmende Digitalisierung

Die Idee hat Burkhard Jocks aus Bocholt mitgebracht. Dort ist er bei "Mouse Mobil" aktiv, das ebenfalls Senioren bei Handy und Tablet hilft. Nach und nach kamen auch Isselburger zu den Bocholter Sprechstunden. "Wir haben uns gefragt: Warum müssen Isselburger nach Bocholt fahren?", sagt Burkhard Jocks. Die Kolpingsfamilie in Isselburg nahm daraufhin Kontakt zur Pfarrei auf, die einen Raum zur Verfügung stellte. Seitdem treffen sich Interessierte und Berater alle zwei Wochen donnerstags im Pfarrzentrum in Isselburg. Eine Mitgliedschaft in der Kolpingsfamilie ist nicht nötig, um die Hilfe in Anspruch zu nehmen, sagt Jocks.

Hintergrund für das Angebot sei die zunehmende Digitalisierung, erklärt Jocks. Die Anforderungen an digitale Kenntnisse steigen stetig. "Wenn ich heute einen Termin beim Bürgerbüro möchte, bekommt man den heute ohne Online-Buchung kaum noch", sagt Burkhard Jocks. Auch beim bloßen Bezahlen sehe er Schwierigkeiten. Vieles gehe nur noch mit Karte oder Handy, Selbstbedienungskassen verdrängten klassische Kassen.

Was macht Help Mouse?

Am häufigsten gehe es den Isselburgern aber um den Umgang mit Smartphone und Tablet. Fast alle wollen Fotos machen sowie Bilder verschicken und empfangen können. Dazu kommen auch Fragen zur Bahn-App, zur digitalen Krankenkassenkarte und zum Online-Banking.

Beim Online-Banking raten die Berater, das Konto direkt bei der Bank einrichten zu lassen. "Da geht man mit seinem Ausweis und seiner Kontonummer hin und dann richten die das für einen ein", erklärt Burkhard Jocks. Das Hilfsangebot klärt vor allem auf: Worauf muss man achten? Was darf man nie tun? Gerade bei Überweisungen sei die Angst groß, etwas falsch zu machen, berichtet Jocks. Aus 50 Euro könnten schnell 5000 werden und das Geld sei dann womöglich weg. "Das ist schon unsere Aufgabe, den Leuten diese Angst zu nehmen", ergänzt er.

Warnung vor Betrugsmasche

Teilnehmer Werner Blecking weiß selbst aus eigener Erfahrung, wie wichtig das Thema Betrug in der digitalen Welt ist. Er bekam eine Nachricht im Stil von "Hallo Papa, hallo Mama, ich habe ein neues Handy" und glaubte zunächst, sie stamme von seiner eigenen Tochter. Erst als diese nichts von einem neuen Gerät wusste, merkte er den Betrug. "Da sind sämtliche Lichter angefangen zu brennen", erinnert er sich. Er informierte die Telekom und erstattete Anzeige. Bei der Polizei erfuhr er, dass auch andere auf die Betrugsmasche hereingefallen waren.

Auch Agnes Dunkerbeck war anfangs wegen des Handys da. Sie wollte Bilder verschicken können und hatte einen alten, teuren Handyvertrag, den sie nicht kündigen konnte. Mit den Beratern fand sie einen neuen, der inzwischen etwa halb so viel kostet. Auch der Umgang mit dem Handy fällt ihr um einiges leichter als zuvor. Jetzt will sie wissen, wie man auch per Handy überweisen kann.

Hilde Arntz, die auch eine der ersten Teilnehmerinnen war, hatte bei ihrem ersten Besuch bei "Help Mouse" ein langsames Gerät.

Ein Berater riet ihr zu einem neuen und richtete es ein. Dieses Mal geht es ihr um die Kontaktliste. Von dem Angebot von "Help Mouse" in Isselburg hatte sie zufällig erfahren. "Ich habe damals auch eine Anlaufstelle gesucht. Bei uns war ja nichts", sagt Hilde Arntz. "Hier bin ich sehr zufrieden."

Miteinander

"Bisher haben wir alles hinbekommen", sagt Jocks über die Sprechstunde. Mindestens genauso wichtig sei aber das Miteinander. Man sitze zusammen, tausche sich aus, manche kämen vor allem zum Reden. "Das soziale Miteinander ist sehr wichtig", sagt er. "Das wollen wir auch fördern, das ist bewusst so."

Die Beratung ist kostenlos und ehrenamtlich. Wie viele pro Sprechstunde kommen, sei schwer vorherzusagen. "Das ist für uns immer eine Überraschung." Bei Bedarf könnte das Angebot aber wachsen. Weitere Helfer seien willkommen, so Jocks.

Die Help Mouse trifft sich alle zwei Wochen donnerstags von 10.30 bis 12 Uhr im Pfarrzentrum, Münsterdeich 2. Nächste Termine sind der 15. und 29. Oktober, 12. und 26. November. Die Veranstalter bitten darum, die eigenen Geräte mitzubringen.

Text/Foto: Kilian Hondong, Bocholter-Borkener Volksblatt vom 6. Oktober 2026