21.09.2026 20:00

Klang- und Schwebungszauber in St. Pankratius

Das Konzert am vergangenen Sonntag in St. Pankratius in Anholt wurde ein musikalischer Nachmittag, der voll und ganz nach dem Geschmack der Zuhörer war.

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Dr. Gerd-Heinz Stevens hatte aus Anlass seines 50 jährigen Kirchenmusikerjubiläums gleich "seine" Chöre mitgebracht: Mit dabei waren der Kirchenchor St. Peter und Paul Werth, der Kirchenchor St. Michael Liedern, der Kirchenchor St. Peter und Paul Spellen, der Projektchor Städtepartnerschaft Bocholt sowie Mitglieder des Kirchenchores St. Antonius Loikum

Schwungvoll, feierlich und fröhlich startete Dr. Gerd-Heinz Stevens in die musikalische Stunde mit dem "Marche du Sonneuer" von Jacques Louis Battmann. Es war anzumerken, dass Stevens ihm ein großes Vergnügen war, diesen Marsch des Glöckners zu spielen. Besonders durch die Registerwechsel gewann das Stück an Ausdruck.

Das lyrische "Prière à Notre Dame" von Leon Boellmann stand dazu im kompletten Gegensatz. Der Komponist hatte hier die mystische Vision eines hohen gotischen Katheralraums vor Augen. Die träumerisch-schwebenden Klänge verlangen eine Registrierung mit zarten Streicherstimmen. Stevens bewies, dass das Stück auch in der neoromanischen Kirche seine Wirkung nicht verfehlte.

Mit dem "Cantabile F-Dur" von Pasini leitete Stevens geschickt zum ersten Chorblock über.

In den überwiegend kürzeren Chorstücken entfaltete die mit rund 90 Sängerinnen und Sängern stimmgewaltige Chorgemeinschaft ein beeindruckendes, großes Klangvolumen, das das Kirchenschiff bis in den letzten Winkel ausfüllte. Trotz der enormen Chorstärke präsentierte sich der Gesang über die verschiedenen Stimmlagen hinweg gesanglich äußerst ausgewogen. Das abwechslungsreiche Programm bot für jeden Geschmack etwas: Sakrale Werke wie Dimitri Bortnianskis "Tebje Pajom" trafen auf afrikanische Rhythmen.

Beim "Engel-Kanon" von Gerd-Heinz Stevens im zweiten Gesangsteil nutzte der Chor die Architektur des Gotteshauses auf faszinierende Weise: Die Männer nahmen rechts und links von der Kanzel Aufstellung, während die Frauen vorne vor dem Altar sowie hinten in der Kirche positioniert waren. Es war eindrucksvoll zu erleben, wie sich die Gesänge aus den völlig unterschiedlichen Richtungen im Raum trafen und zu einem großen, harmonischen Ganzen vermischten. Dass dieses komplexe Raumklang-Experiment Ausdauer erforderte, verriet eine Sängerin schmunzelnd nach der Veranstaltung: Bei der Probe hatte der Kanon nämlich noch gar nicht geklappt. Umso gewaltiger war der Effekt im Konzert, als jeder Ton auf Anhieb saß und das Publikum erfreute.

Mit Bearbeitungen bekannter Klassiker wie "Moon River" und "Yesterday" sowie vertraute Melodien aus Harry Potter und Star Wars setzte Stevens an der restaurierte Seifert-Orgel glanzvolle Akzente. 

Noel Rawsthornes "Hornpipe Humoresque" basiert auf der Melodie des bekannten Matrosentanzes „The Sailor’s Hornpipe“. Bereits zu Beginn offenbarte sich der augenzwinkernde Charakter des Stücks: Die von der hohen Flöte vorgestellte Melodie wurde von der Posaune im Pedalregister wirkungsvoll als Schiffshorn unterbrochen. Es folgten Variationen im Stil prominenter Werke – darunter Bachs drittes Brandenburgisches Konzert und Vivaldis "Frühling" aus den "Vier Jahreszeiten", kunstvoll mit "Rule, Britannia!" verwoben. Den effektvollen Abschluss bildete eine Anspielung auf Charles-Marie Widors berühmte Toccata.

Nach dem gemeinsam angestimmten Lied "Möge die Straße" und dem lebendig vorgetragenen Schlusschor "Gesang verschönt das Leben" belohnte das Publikum die Mitwirkenden mit langanhaltendem und begeistertem Applaus. 

Im Anschluss luden Jubilar und Veranstalter zum Ausklang in das Pfarrheim zu Kaffee und Kuchn ein. Passend zum Jubiläum gab es auch Süßes und Likör, sodass Publikum und Mitwirkende den rundum gelungenen Konzertnachmittag bei anregenden Gesprächen gemeinsam feierlich ausklingen lassen konnten.